Der Marquis von FlandernIch fühle meine Zehen nicht mehr. Versinke bei jedem Schritt bis über die Waden im Schnee. Die Kälte beißt mir ins Gesicht, in die Finger. Ich ziehe die Ärmel der Jacke darüber, versuche, Anhaltspunkte zu finden.
Wo bin ich? Ein paar Stunden nordwestlich von Vaters Hof, dennoch erkenne ich die Landschaft nicht, dabei leuchtet der Vollmond, verwandelt die Nacht in sanftes Glitzern. Vielleicht habe ich mich verlaufen.
Überall Sterne. Sie sehen mir beim Erfrieren zu.
»Bitte verschone mich.« Vielleicht war Gott ein besserer Zuhörer als mein Vater. »Du brauchst mich nicht. Weder im Himmel, noch in der Hölle. Wenn du mich lebend durch die Kälte bringst, bete ich in jeder Kirche ein Vaterunser, an der mich mein Weg vorbeiführen wird.« Allzu viele werden das nicht sein. Meine unfreiwillige Reise endet in Antwerpen. »Ich zünde dir in der Abteikirche auch eine Kerze dazu an.« Stankt Michael. Dorthin sollte ich  mich wenden und die Mönche um Beistand bitten.

Ein Leben im Kloster? Plötzlich fühlt sich die Nacht dunkler und kälter an.

Ich liebe frische Luft, einen freien Himmel über mir und weites Land um mich herum. Klostermauern würden mich erdrücken. Mein Vater weiß das. Er hätte schweigen sollen, statt mir diesen Rat zu geben.

Ich habe ihn angefleht, mich nicht während der Nacht fortzuschicken. Er hat nur mit dem Kopf geschüttelt und zur Tür gewiesen. Selbst von Mutter durfte ich mich nicht mehr verabschieden.

Alles wegen etwas, das es nicht gibt.

Ein Mal auf der Stirn.

Mein Großvater behauptet, es in Vollmondnächten zu sehen. Nächten wie dieser hier. Deshalb sterbe ich zwischen Schnee und Eis, weil ein alter Mann ein Problem mit seinen Augen hat.

Da ist kein Mal. Niemand außer ihm hat mich je darauf angesprochen. Meine Mutter nicht, mein Schwester nicht, meine zwei Brüder nicht, Jette nicht. Selbst mein Vater beteuerte oft, dass dort nichts wäre. Fortgeschickt hat er mich dennoch.

Ich soll mein Glück in Antwerpen suchen. Wenn mich die Mönche von der Schwelle jagen, könnte ich es ja bei einem der Tuchhändler probieren.

Antwerpen. Das sind mitten im Winter zwei Tagesmärsche. Entweder erreiche ich die Stadt mit abgefrorenen Füßen oder der Frost verschlingt mich am Stück.

Meine Beine fühlen sich immer steifer an. Ich muss sie zu jedem Schritt zwingen. Lange halte ich nicht mehr aus.

Nicht weit vor mir liegt ein kleines Wäldchen. Ich könnte ein Feuer entzünden, mich ein wenig aufwärmen. Zunder, Feuereisen, ein Laib Brot, etwas Speck. Das hat mir mein Vater zugestanden.

»Willst du, dass ich erfriere?« Ich bilde mir das strenge Gesicht meines Vaters ein. »Genügen dir zwei Söhne?« Ich hätte meinen Brüdern den Hof nicht streitig gemacht. Irgendwann wäre ich gegangen. Nur nicht mitten in der kältesten Nacht, verflucht!

Ich ziehe mir den Schal über den Mund. Er ist steifgefroren. Von meiner Atemluft, aber auch von meinen Tränen. Hier in der Einsamkeit kümmert sich niemand darum, ob ich heule wie ein Mädchen. Vorhin war mir danach. Jetzt nicht mehr.

Ich werde mein Zuhause niemals wiedersehen.

Doch, mir ist immer nach heulen zumute.

Ich bin kurz davor, dem alten Mann einen Sturz in die Jauchegrube zu wünschen. Schon als ich ein Kind gewesen war, hat er mich mit seinen misstrauischen Blicken verfolgt. Kein gutes Wort, keine Berührung oder gar eine Umarmung. Als trüge ich die Pest mit mir herum.

Im Sommer sollte ich heiraten. Nach der Kornernte. Daraus wird wohl nichts werden.

Jette vom Nachbarhof.

Sie bedeutet mir nichts. Ihre Augen sind zu glanzlos, ihr Haar ist stumpf, ihr Körper so weiblich, dass es mich bei dem Gedanken schaudert, mich auf ihn legen zu müssen.

Ich hab’s nicht so mit weichen Rundungen. Gar nicht.

Als einziges von acht Kindern hat sie die Pest überlebt. Meine Mutter schwört, Gott würde seine Hand über Jette halten.

Soll der sie doch zur Frau nehmen. Dann wäre er beschäftigt und müsste keine Bauernsöhne in Vollmondnächten erfrieren lassen.

»Verzeih mir«, wispere ich sicherheitshalber in den Nachtwind. »Du bist dabei, mich sterben zu lassen. Das macht uns beide nicht zu Freunden.« Ein Vorteil der Einsamkeit. Niemand rügt mich wegen mangelnden Respekts Gott gegenüber.

Vater, Großvater, Mutter weniger, dafür der Geistliche, der die Messen hält, umso mehr. Alle fordern Respekt.

Gott auch.

»Ein Gebet und eine Kerze. Mehr ist nicht drin.« Soll er mich doch zur Hölle schicken, da ist es wenigstens warm.

Mein Gewissen schüttelt mich. Die Hölle ist ein furchtbarer Ort. Gefüllt mit Teufeln und Kreaturen, die einen entsetzlich leiden lassen.

Ich leide entsetzlich. Hier, mitten in Flandern.

Tagsüber im Sommer, wenn ich über die Wiesen reite, der Sommerwind mein Haar kämmt, erscheint mir diese Gegend wie das Paradies. Heute Nacht wie eine Eishölle.

Meine Gedanken frieren ein, wie der Rest von mir.

Es gibt keine Eishöllen. Die Hölle ist heiß. Überall sind Flammen. Teufel stoßen die Sünder hinein, wie die Kirchenmänner die Ketzer.

Achte auf deine Worte, Hendrik, hat mir mein Vater vor einer Handvoll Jahren geraten. Sie sind zu unbedacht und werden dich eines Tages ins Unglück stürzen.

Von da an habe ich meine Gedanken für mich behalten.

Ich mag sie. Sie sind so frei wie die Sommerfalken.

Manche von ihnen sind wüst. Andere bildschön. Einige so sinnlich und berauschend, dass es mir beim Denken heiß in die Lenden steigt. Wenn es die Situation zulässt, suche ich mir in solchen Momenten ein stilles Eckchen und berühre mich ausgiebig. Aber spucken lasse ich meinen Schwanz erst, wenn ich das Gefühl habe, dass es mich sonst zerreißt. Die schönen Dinge im Leben ähneln den verbotenen. Man muss sie hinauszögern, um sie bis zum Schluss genießen zu können.

Gebe ich mich diesem absoluten Glücksgefühl hin, verschwende ich nie einen Gedanken an Jette.

Eher an den strammen Arsch unseres Knechtes.

Das geht niemanden etwas an. Vater nicht, Mutter nicht, den Geistlichen nicht und Gott erst recht nicht.

»Mein Angebot steht, nimm dir Jette und danach reden wir noch einmal über das Thema Sünde.«

Ich werde zur Hölle fahren. Gleich nachdem ich erfroren bin.

Bis auf mein keuchendes Atmen und das Knirschen des Schnees unter meinen Füßen herrscht Stille. Langsam macht sie mir Angst. So wie die Gefühllosigkeit in meinen Beinen. Ein Wunder, dass ich die Füße voreinandersetzen kann.

Kann ich nicht mehr.

Am Saum des Wäldchens versagen sie mir den Dienst.

Ich falle, kann es nicht ändern.

Über mir die Sterne unter mir Schnee.

Die Nacht wird es kaum bemerken, wenn sich das bisschen Leben dazwischen auflöst.

Meine Lider sinken. Als ob Steine darauf lägen.

Versuche sie zu heben.

Es geht nicht.

~*~

So beugte ich mich im Jahre des Herrn 1352 über die Wiege des Kindes, das mich mit seinen hellbraunen Augen vergnügt anblinzelte. Die Nacht war still und bitterkalt. Der Bauer schlief in den Armen seiner Frau, der Knecht pflügte die Magd und niemand bemerkte mich inmitten des trügerischen Friedens. 

Ich hauchte dem Knaben einen Kuss auf die Stirn. Er nahm es hin, betrachtete mich mit tiefem Ernst. 

»Du gehörst mir«, wisperte ich ihm zu und zog die Spiegelrune der Einigkeit mit dem Finger auf seine Stirn. »Jetzt und für immer.«

Ein Traum, hingegeben an den Rausch eines einzigen Augenblicks, hatte mir die Ankunft dieses Kindes verraten. Meine Suche neigte sich dem Ende. Ein paar Jahre musste ich ihm zugestehen, dann gehörte er mir. »Das Zeichen wird dich vor der Pest ebenso schützen wie vor übler Nachrede.« Beides war tödlich, beides schmerzte. 

Als ich im Begriff war, das Haus zu verlassen, vertrat mir ein Alter den Weg. Er eilte zur Wiege, erkannte das Zeichen im letzten Moment, bevor es verblasste. »Was hast du mit ihm gemacht?« Er bekreuzigte sich und zum Glück nicht den Knaben. Die Rune wäre, so frisch, wie sie war, verwässert worden. 

Ich schritt auf den Mann zu, packte ihn hart am Kinn. »Füge ihm ein Leid zu, und wir treffen uns an einem Ort, den du über den Tod hinaus fürchtest.« Was immer das für einer sein mochte. 

Der Alte hatte offenbar eine konkretere Vorstellung davon als ich. Er starrte mich schreckerfüllt an, murmelte das Vaterunser.

Ein gutes Gebet. Ich mochte es damals und schätze es noch heute. Gefolgt von ›Der Herr ist mein Hirte‹. 

Zuweilen besuche ich einen Gottesdienst. Wenn mir der Altar gefällt oder mich die Akustik überzeugt. Auch bunte Kirchenfenster begeistern mich. Vor allem das tiefe Blau und das innige Rot. 

Ich schweife ab. 

In jener Nacht verabschiedete ich mich von Hendrik für siebzehn Jahre. Meine Gedanken ruhten jedoch stets bei ihm. Auch sandte ich ihm Wünsche mit dem Wind und als die Pest Flandern in ihren stinkenden Krallen hielt, gestattete selbst ich mir, hin und wieder zu beten. 

Eigentum macht angreifbar. Es bindet, macht abhängig. Diesen Umstand habe ich billigend in Kauf genommen, als ich die Kinderstirn mit der Rune zierte. Es liegt so weit zurück. Manchmal denke ich, dass es nur ein Traum war. Dennoch warte ich auch dieses Mal auf den Moment.

In sehnsuchtsvoller Hoffnung, 

Rouven van Donker, der Marquis

Schaurig schön. Und was für ein klangvoller Name. Rouven van Donker. Ein Marquis.

Obwohl mir die Augen langsam zufallen, google ich bei Wikipedia, was genau ein Marquis ist.

Ein Markgraf.

Marquis klingt besser.

Ich lehne mich in Martens knarrendem Schreibtischstuhl zurück, kneife mir wie ein übernächtigter Börsenmakler in die Nasenwurzel.

Fast jeden zweiten Buchstaben des Dokuments musste ich nachschlagen.

Textura. Eng gesetzte Zeichen, streng zu einem Gitter gefügt, das das geduldigste Auge überstrapaziert. Dazu kommt die schlechte Qualität des Pergaments, die eindeutig dem hohen Alter zu schulden ist.

Vor mir ruht ein kleiner Schatz, um den mich Liebhaber bibliophiler Kostbarkeiten beneiden würden.

Der Brief steckte in einer von Großonkel Martens Lutherbibeln. Auch solche Schätze, deren Einbände bröseln, deren Rücken brechen und deren Seiten sich langsam aber unaufhaltsam von außen nach innen auflösen.

Sieben Bibeln, sieben versteckte Briefe.

Nummer eins liegt zusammen mit meiner Abschrift auf dem wahrscheinlich ähnlich betagten Schreibtisch mit gedrechselten Beinen und hundertprozentig vorhandenem Geheimversteck irgendwo hinter den geschnitzten Verzierungen.

Ich werde es morgen suchen. Wer weiß, was ich finde? Hoffentlich nichts, das ich entziffern und abtippen muss.

Ich klappe den Laptop zu, versinke im Anblick sanft fallender Schneeflocken. Antwerpen verwandelt sich vor der Scheibe in eine nächtliche Zuckerwattestadt.

Das schmale Haus in der Kloosterstraat gehört seit einigen Tagen mir. Heute Morgen, noch vor Sonnenaufgang, bin ich eingezogen. Kein großer Akt. Zwei Koffer, eine Handvoll Kisten, meine kränkelnde Schefflera. Sie steht hinter mir am Fenster, das viel zu klein ist, um genügend Licht ins Zimmer zu lassen.

Großonkel Marten schien Dämmerlicht gemocht zu haben. Oder er hatte kein Problem damit, hohe Stromrechnungen zu begleichen. Während des Tages ist es im Haus nicht einmal richtig hell geworden.

Ich mag große Fenster. Fensterfronten!

Marten teilte meine Vorliebe offensichtlich nicht.

Mit dem Rest der Einrichtung habe ich mich angefreundet. Alte Möbel sind mir vertraut. Mehr noch, ich ziehe sie jedem Ikearegal vor. Nur bei alten Gemälden hapert es. Ich sollte sie allein von Berufswegen schätzen, doch ich finde sie lediglich deprimierend.

An den Wänden um mich her hängen dunkle Stillleben und düstere Landschaftsmotive. Zum Glück stammen sie nicht von alten Meistern, sonst müsste ich sie versichern lassen. Morgen nehme ich sie ab, verpacke sie in eine meiner Umzugskisten und helfe sie dem nächsten Trödler über. Vielleicht nimmt er auch die Gardinen. Wenn ich die Augen schließe und mich konzentriere, höre ich das Rascheln der Mottenflügel.

Was für ein seltsamer Mann war Marten de Ruiter? Er hat niemandem aus der Familie nahegestanden, ließ sich weder auf Hochzeiten noch auf sonstigen Festivitäten blicken. Ich hatte seine Existenz fast vergessen, als mich der Notar anrief und mir mitteilte, mein Großonkel läge im Sterben und gedachte, mir sein Haus inklusive des kompletten Inhalts zu vermachen.

Meiner Mutter rutschte bei dieser Nachricht ein fett heraus, mein Vater klopfte mir auf die Schulter und informierte mich nebenbei, dass er ja nun meine Unterhaltszahlungen einstellen könnte.

Als ob ich den Verlust dieser kläglichen Summe bemerken würde. Von Beginn an hat er sich über die Wahl meines Studiums lustig gemacht.

Ein Restaurator wäre entweder ein schlechter Künstler oder ein größenwahnsinniger Handwerker. Beides bräuchte man nicht studieren, weil es Lehrberufe wären.

Früher einmal.

Heute nicht mehr.

Mit meiner Argumentation stieß ich bei ihm auf taube Ohren. Eigentlich stoße ich bei ihm immer auf taube Ohren. Er besitzt eine Kaffeerösterei mit integriertem Café. Die Touristen lieben es, füllen seine Kassen und er versucht mich während jedes Sonntagnachmittagkaffeeklatsches davon zu überzeugen, in seine Fußstapfen zu treten.

Mein Vater, mein Chef.

Im Leben nicht.

Ich liebe den Geruch von Ölfarbe, Firnis, von Holz, während ich es schmirgele. Mich macht es glücklich, etwas Altem zu neuem Glanz zu verhelfen.

Ich bin nicht auf Holz fixiert. Mit Stuck komme ich auch zurecht. Nur nicht mit Gemälden, was kein Beinbruch ist, ich werde mich später spezialisieren.

Es ist ganz still im Haus. Ab und zu knackt es irgendwo im Gebälk oder die Heizung bollert. Doch diese winzigen Geräusche stören die Lautlosigkeit kaum, die plötzlich die Räume wie dichter Nebel füllt.

Ich sollte ins Bett gehen, sonst sehe ich noch Gespenster.

Wahrscheinlich begegne ich ihnen genau dort. Zwar habe ich die Daunendecken und Kissen mit meinem eigenen Bettzeug ausgetauscht, dennoch werde ich gleich mein müdes Haupt auf ein Totenlager betten.

Prickelnde Vorstellung.

Marten hat in den letzten Momenten seines Lebens meine Hand gehalten. Er hat darauf bestanden. Ich schien ihm wesentlich vertrauter zu sein, als er mir. Hatte ich ihn überhaupt schon einmal gesehen? Vielleicht, als ich ein Kind war. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern.

Ich sollte in den Bibeln blättern. Sieben Stück. Es wäre wichtig für mich. Briefe. Irgendwo zwischen den Seiten. Wo genau, hätte er vergessen.

Mein Kaffee ist längst kalt. Ich trinke ihn trotzdem, sehne mich beim Schlucken nach einem heißen Tee.

Also gut. Ein Schlummertrunk schadet nicht.

Schwerfällig wie ein alter Mann hieve ich mich aus dem Stuhl. Mein Bein tut weh. Es liegt an der Kälte. Fallen die Temperaturen unter Null Grad, ziehen die Muskeln in meinem Oberschenkel so stark, dass ich was an die Wand werfen will. Schmerzmittel helfen nicht. Nur ein heißes Wannenbad. Eine gute Option für diese Nacht.

Die Schmerzen begleiten mich, solange ich denken kann. Meine Mutter hat mich früher zu allen möglichen Ärzten geschleppt. Die haben nichts gefunden und sich auf eine seltsame, da Temperatur abhängige Form der Neuropathie geeinigt.

Hilft mir nicht wirklich weiter.

Ich humpele die schmale Stiege hinunter in die Küche. Das einzige moderne Zimmer im Haus. Deshalb gefällt es mir nicht.

Ein teurer Kaffeeautomat, mit dem ich durchaus leben kann, ein Induktionsherd, der mich a) überfordert und b) aussieht, als wäre er noch nie benutzt worden, silbergraue Lackverblendungen an den Schranktüren und Schubladen, eine Geschirrspülmaschine, ein bis auf einen Liter Milch und eine abgelaufene Packung Käse leerer Kühlschrank.

Welch ein Glück für mich, dass ich nicht kochen kann. Ich muss mich nie länger als die paar Minuten hier drin aufhalten, die ich brauchen, um mir ein Brot zu schmieren oder einen Apfel abzuwaschen.

Will ich etwas Warmes, gehe ich essen. Es gibt genug kleine Restaurants oder Kneipen mit mehr als akzeptabler und dennoch preiswerter Küche.

Das Teewasser kocht, ich suche mir einen Früchteteebeutel aus einer angelaufenen Blechdose, wähle einen Becher mit blauem Rand und schleppe mich die Stufen hinauf bis unters Dach.

Schlaf- und Badezimmer plus einer kleinen Abstellkammer. Mehr nicht.

Meine Koffer sind noch nicht ausgepackt. Das kann bis morgen warten.

Ich schalte die Nachttischlampe an, setze mich aufs Bett.

Vor einer Woche hat Marten darin gelegen und mir trotz seiner Nähe zum Tod die Finger zusammengequetscht.

Es ist der Name, hatte er geflüstert. Damit ruft er dich.

Er kommt in einer kalten Winternacht. Wispert, flüstert, malt Zeichen auf zarte Haut und eh du es dich versiehst, gehörst du ihm.

Mir geht ein Schauder über den Rücken, nur weil ich an diesen seltsamen Tag denke. Marten war alt. Hundertundzwei Jahre. Kein Wunder, dass sein betagtes Gehirn Rost angesetzt hatte.

Lies die Briefe, Hendrik! 

In der brüchigen Stimme hatte plötzlich erstaunlich viel Kraft gelegen.

Und nimm dich vor ihm in Acht!

Vor wem, hatte ich gefragt.

Vor dem Marquis.

~*~

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